HECH – Jahresbericht 2017

30.01.2018

Verrückte Eisenbahnwelt. In China fahren bereits Trams auf virtuellen Gleisen, das heisst,
die Schienen sind nicht mehr physisch vorhanden. Zu sehen sind nur noch weisse Linien auf
dem Strassenbelag. Und in Australien ziehen für eine Minengesellschaft automatisierte
Dieselloks, völlig ohne Personal, schwerste Züge vom Landesinnern zum Verladehafen.

Auch in der Schweiz wird schon aktiv an führerlosen Zügen gepröbelt. Innovationen sind
gefragt. Und wo bleiben da die historischen Eisenbahnen? Die fortschreitende Digitalisierung
und Automatisierung im Eisenbahnwesen machen uns historischen Bahnen das Überleben
zu einer stetigen Herausforderung. Es braucht uns aber, je länger je mehr. Nur so kann den
Generationen aktiv vermittelt werden, wie sich das öffentlichen Verkehrsmittel ‘Eisenbahn’
über die vielen Jahrzehnte hinweg entwickelt hat. Wie heisst es doch so schön: Nur wer die
Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.

Das Jahr begann für einige HECH-Bahnen schon sehr erfreulich. Auf Initiative des HECH
wurde im Laufe 2016 unter Führung und Anleitung der EnAW Energie-Agentur der Wirtschaft
die Befreiung von der CO2-Abgabe erfolgreich eingeleitet. Die ersten historischen Bahnen,
welche in ihrem Betrieb regelmässig Steinkohle und andere fossile Brennstoffe verwenden,
konnten mit Wirkung ab 1. Januar 2017 von der CO2-Abgabe befreit werden. Weitere
Bahnen folgten ein Jahr später.

Ein Dauerthema im HECH sind die beiden Generischen Risikoanalysen für Fahrten mit
Triebfahrzeugen ohne ausreichende Zugbeeinflussungseinrichtung. Hier musste die
Arbeitsgruppe zusammen mit dem für die Ausarbeitung der Risikoanalysen beauftragte
ENOTRAC AG, Thun, lernen, mit Verzögerungen zu leben und sich in Geduld zu üben. So
benötigte es mehrere Interventionen beim Bundesamt für Verkehr bis schliesslich die bereits
im März fertiggestellte Risikoanalyse für Fahrten in Meterspurnetzen und auf Spezialstrecken
endlich für verbindlich erklärt werden konnte. Die Version 3.0 wurde schlussendlich am 7.
Juni 2017 vom Bundesamt für Verkehr vorbehaltslos anerkannt. Die Verzögerung bei der
Meterspur-Risikoanalyse wirkte sich negativ auf den Beginn der Überarbeitung der seit 2013
bestehenden Generischen Risikoanalyse für Fahrten in Normalspurnetzen aus. Das BAV
kam jedoch dem HECH und den betroffenen Bahnen entgegen und verlängerte die Gültigkeit
der bestehenden Risikoanalyse bis am 28.02.2018. Mitte August konnte die bewährte
Arbeitsgruppe zusammen mit ENOTRAC AG die Überarbeitung endlich anpacken. Es folgten
etliche Workshops, auch mit Einbezug von Spezialisten und Vertretern von Infrastrukturbetreiberinnen. Es braucht aber noch einen gewaltigen Effort von Seite HECH wie auch vom BAV, damit die neue Normalspur-Risikoanalyse wirklich auf Ende Februar 2018 vorliegt.

Seit vielen Jahren bietet der HECH seinen Mitgliedern eine Betriebshaftpflichtversicherung von Bahnen und Bahninfrastrukturen via den VVST an. Diese kommt neu als VVST-All-Risks-Haftpflichtversicherung daher. 27 Bahnen partizipieren am HECH-Kollektivvertrag und vertrauen untereinander auf die nötige Solidarität.

Ein Meilenstein in der Administration des Verbandes ist die Einführung der neuen Website. Realisiert werden konnte sie dank der Initiative von Walter Huber, Zürcher Museums-Bahn. Aktuelle Mitteilungen, welche uns historische Eisenbahnen direkt betreffen, Informationen zu HECH internen Entscheiden sowie der Aufbau einer Datenbank technischer Spezifikationen der historischen Triebfahrzeuge sind nur einige der Möglichkeiten, welche die neue Website bietet. Merken Sie sich www.hech.ch und nutzen Sie diese elektronische Plattform.

Die HECH-Generalversammlung am 24. Juni wurde von der Oensingen – Balsthal Bahn AG organisiert und ermöglichte einen Einblick in ein öV-Unternehmen, das gleichzeitig auch Nostalgiefahrten anbietet. Die Generalversammlung erfolgte nach den vor einem Jahr beschlossenen angepassten Statuten und wählte den Verbandsvorstand und zwei Revisoren. Gleichzeitig wurden drei Bahnen neu in den Verband aufgenommen, womit die Anzahl der Mitgliedsbahnen auf 69 angestiegen ist.

An der Generalversammlung wurde auch im positiven Sinne über den Antrag von TR Trans Rail AG und der Zürcher Museums-Bahn ZMB entschieden. Der Antrag beinhaltete den Auftrag an den HECH, sich bei der parlamentarischen Verkehrskommission (National- und Ständerat) mittels Brief und Gesprächsangebot bemerkbar zu machen. In dieser Kontaktnahme solle sich der HECH die historischen Eisenbahnen der Schweiz als wichtiges Kulturgut positionieren, und zwar als eines, welches sich auch auf längere Zukunft hin bewegt und nicht nur im Museum zu bewundern ist. Aus dem Antrag heraus bildete sich unter der Leitung von Walter Huber (ZMB) eine Arbeitsgruppe, die nun erste wichtige Kontakte knüpfte, das weitere Vorgehen ausarbeitete und eine Besprechung mit dem Bundesamt für Verkehr anstrebte. Dank der Mithilfe der Thurgauer Nationalrätin Edith Graf- Litscher (2018 Präsidentin der Verkehrskommission des Nationalrats) kam am 19. Dezember 2017 ein intensives Gespräch mit dem Direktor des BAV Dr. Peter Füglistaler und weiteren BAV-Verantwortlichen zustande. Aus dieser Zusammenkunft resultiert die Bildung von Arbeitsgruppen zu den Themen ETCS, Regelwerk und ECM. Mit hohem Interesse packt der HECH im 2018 diese Punkte jetzt an.

Gleichzeitig hat sich der HECH auch mit Exponenten des Verbandes öffentlicher Verkehr VöV und NIKE Nationale Informationsstelle zum KULTURERBE über die Problematik der Wahrnehmung historischer Eisenbahnen unterhalten. Dabei kam es immer wieder zum Ausdruck: der HECH und seine Mitgliedsbahnen müssen sich stärker in der Öffentlichkeit präsentieren. Nur so werden sie als Bewahrer des Kulturgutes ‘Eisenbahn’ beachtet. Gerade im regionalen Umfeld müssen sich die HECH-Bahnen an Anlässen vermehrt für den Erhalt von Kulturerbe engagieren. Gute Möglichkeiten hierzu bieten das Kulturerbejahr 2018 und die Europäischen Tage des Denkmals 2018.

Und zum Schluss noch dies: Seit dem 13. November 2017 ist der HECH Verband historischer Eisenbahnen Schweiz im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen. Der Sitz ist in Dürnten, an der Wohnadresse des Präsidenten.

Wir, alle Bahnen im Verband HECH, setzen uns ein, dass die aktive Vermittlung des Kulturerbes ‘Eisenbahn’ trotz modernster Vorschriften weiterhin möglich ist. Ich danke Ihnen für Ihr Engagement im Dienste der historischen Eisenbahnen.

Hugo Wenger, Präsident
22.01.2018